In diesem Beitrag möchte ich dir auf ganz praktische Weise darstellen, was Natürliche Bewegung ist und wie sie als Bewegungspraxis aussehen kann, welche Maßstäbe sie ansetzt und wie du durch kleine Veränderungen mehr Natürlichkeit und dadurch auch Nachhaltigkeit und Zufriedenheit in deine Praxis bringst. Oder kurz: Wie bewege ich mich natürlich?

Lesedauer ungefähr 8 Minuten

Wie bewege ich mich natürlich
Wie bewege ich mich natürlich?

Bewegung spielt für jeden von uns eine gewisse Rolle im Leben, ganz gleich, ob es uns bewusst ist, oder nicht. Die Bewegungsinhalte, deren Qualität und unsere Einstellung dazu, sind aber individuell verschieden. Während sich manch einer von uns pudelwohl in Bewegung fühlt und von sich aus einen großen Teil seines Lebens damit verbringt, ist sie für andere nur ein Mittel zum Zweck. Oder sie betrachten es sogar als unangenehm, als eine Belastung, die es zu vermeiden gilt.

Tatsache ist, dass Bewegung in unserer menschlichen Natur steckt. Einen Großteil unserer Bedürfnisse erfüllen wir durch Bewegung oder den richtigen Umgang mit unserem Körper. In der Vergangenheit war das sicher noch einmal mehr der Fall, Menschen mussten Jagen, Sammeln, Bauen, sich verteidigen. Ich nenne das auch gerne unsere evolutionäre Natur. Wir haben uns zu dem entwickelt, was wir sind, weil es sich als Vorteil erwiesen hat. Viele dieser Aufgaben sind mittlerweile automatisiert oder werden uns erleichtert. Doch unsere Körper verändern sich langsamer, als die gesellschaftliche Entwicklung. Und auch wenn sich die Inhalte und Schwerpunkte in Bewegung, die wir in unserem Leben erfahren immer weiter verändern, werden wir uns vermutlich nicht so bald aus unseren Körpern „heraus entwickeln“ (finde ich auch gar nicht erstrebenswert…).

Da sind wir also, mit unseren Körpern und müssen mit ihnen klarkommen. Oder vielmehr: Dürfen! Ich bin der Meinung: Wenn wir uns richtig und natürlich bewegen, einen nachhaltigen Umgang mit unserem Körper pflegen, dann bleiben wir nicht nur frei von negativen Folgen, sondern bereichern auch unser Leben. Und eine gute Orientierung daran ist die eigene Natur mit all ihren Facetten. Ihrer Individualität, ihren gesellschaftlichen Einflüssen, der Interaktion mit der Umwelt. (mehr zu Natürlichkeit findest du auch Hier: „Was bedeutet natürlich?„)

Wie du zu dieser Natürlichkeit findest und wie du dich natürlich bewegst, möchte ich dir im Folgenden erläutern.

Bewusstsein schafft Raum für Entscheidung

Um dich organisch weiterzuentwickeln und zu bereichern, solltest du dir zunächst einen Überblick darüber verschaffen, wie deine Bewegungspraxis aussieht, welche Bewegungsinhalte in deinem Leben gerade stattfinden. Für die Summe aller Bewegungsinhalte, insbesondere die bewusst gewählten, aber auch die Einstellung dazu, nutze ich gerne den Begriff der Bewegungspraxis.

Bewusstsein schafft Raum für Entscheidungen

Dazu gehören auf jeden Fall fokussierte, körperliche Inhalte, das, was wir „Training“ oder „Sport“ nennen. Aber auch andere Körperpraxen und -Disziplinen aktiv wie passiv gehören dazu. Machst du vielleicht Yoga oder Qi Gong? Gehst du regelmäßig zur Massage, ins Schwimmbad oder Waldbaden? Machst du Atemübungen oder Meditationen mit dem Körper? (Ich könnte ewig so weiter machen). All diese Dinge wirken sich direkt und indirekt auf deinen Körper, deine Konstitution, Erholungsfähigkeit, Resilienz und mehr aus und sollten daher mit der aktiven Bewegungszeit im Einklang stehen.

Dann wären da noch die weniger offensichtlichen Dinge, wie die Alltagsbewegungen. Legst du im Tagesverlauf Strecken zu Fuß zurück? Wie sieht dein beruflicher Alltag aus? Hier geht es um den regelmäßigen Umgang mit unserem Körper. Während er für manch einen nur ein Taxi für dein Gehirn ist, sind andere im Alltag körperlich sehr bei sich. Ich nutze gerne die Analogie eines Teams. Du kannst nicht ohne deinen Körper und er kann nicht ohne dich. Versteht ihr euch gut, greift euch gegenseitig unter die Arme oder ist dir dein Körper wie ein leidiger Kollege, der dich einfach in Ruhe lassen soll?

Wir können außerdem den Begriff Alltag weiter fassen: Wie sieht deine Freizeit- und Urlaubsgestaltung aus? Machst du vielleicht gerne Aktivurlaub in den Bergen, oder betreibst bei Gelegenheiten Sportarten in der Natur? Gehst am Wochenende in den Wald oder verbringst den Feierabend gerne aktiv? Wie wir unsere frei bestimmbare (Frei)zeit gestalten ist ein deutlicher Indikator, welchen Stellenwert bestimmte Dinge in unserem Leben einnehmen.

Natürliche Bewegung als organischer Prozess

Eine Möglichkeit um mehr Natürlichkeit in deine Bewegungspraxis zu bringen ist es, zunächst gar nicht viel zu ändern. Was immer du gerade tust, kannst du organisch als Ausgangspunkt nutzen und von dort aus in deine individuelle Praxis starten. Die besten Hilfsmittel dafür sind Introspektion und Reflektion. Indem du dir deine Handlungen bewusst machst und dadurch Raum zum Hinterfragen schaffst, kannst du deine Bewegungspraxis langsam für dich bewerten und anpassen.

Natürliche Bewegung als organischer Prozess

Nach meiner Beobachtung reflektieren viele Menschen ihre Bewegungspraxis nicht sehr umfangreich. Vielmehr ergibt sie sich aus Gewohnheit und äußeren Umständen. Welchen Sport wir bereits seit der Kindheit betreiben, was der Freundeskreis oder die Gesellschaft macht und für gut befindet (oder was wir so wahrnehmen), was uns gut dastehen lässt und was uns andere mal gesagt haben, was „richtig ist“ oder „so sein muss“, spielt für viele eine extrem starke, unterbewusste Rolle bei der Wahl der Bewegungsformen die wir betreiben.

Das betrifft nicht nur Sport, sondern auch andere Bereiche. Ich dachte zum Beispiel früher ich könne nicht tanzen, weil das anders aussah, als bei anderen. Also habe ich es lieber gelassen. Als ich es nach vielen Jahren wieder für mich entdeckt habe, stellte ich fest, was mir gefehlt hat und wie gerne ich es mache. Für einige Menschen geht es so weit, dass es sich auf ihre Haltung, Gestik und Mimik auswirkt, was andere Menschen und ihre Umwelt ihnen als Feedback geben.

Um also von unserem Ausgangspunkt zu starten, müssen wir zunächst festzustellen, wie dieser aussieht. Dafür sollten wir unsere aktuelle Praxis achtsam betrachten, genau hinschauen, dabei möglichst unbeeinflusst bleiben von unseren Wünschen und Vorurteilen.

Hier sind ein paar wertvolle Fragstellungen, an denen du deine aktuelle Praxis reflektieren kannst.

Diese Fragestellungen kannst du neben der allgemeinen Sicht auch auf spezifische Situationen anpassen. Stelle dir diese Fragen zum Beispiel im Bezug auf die Sportarten, die du treibst. Die Übungen, die du machst. Und wenn du möchtest sogar auf deine Einstellung.

Mit dem Bewusst-machen ist erste Schritt getan. Die Feststellung des Status quo ist für viele bereits eine Überraschung, da vielen nicht klar ist, wie ihre Praxis aussieht und wie sie gewachsen ist. Der nächste Schritt ist dann die Reflektion und die Reaktion auf deine Antworten.

Vielleicht stellst du fest, dass Teile deiner Praxis dich nicht zufrieden machen und sich auch nicht anderweitig positiv auf dein Leben auswirken. Nun könnte man sich darüber ärgern, weil man vielleicht viel Energie hinein gesteckt hat, oder man könnte sich über die Erkenntnis freuen und eine gewünschte Veränderung angehen.

Oder du stellst fest, dass andere Aspekte dich hoch zufrieden machen und mit dir resonieren. Dadurch, dass du dir das bewusst machst, erreichst du vielleicht eine noch tiefere Verbindung damit und stärkst gleichzeitig dein Selbstbewusstsein.

Wenn ich „der nächste Schritt“ sage, dann meine ich damit in Wirklichkeit, dass Introspektion, Reflektieren und Reevaluieren ein ständig fortschreitender Prozess ist. der auf vielen Ebenen, im Großen und im Kleinen passiert und nie abgeschlossen ist. Es reicht also nicht, sich einmal hinzusetzen und seine Reflektion zu betreiben. Vielmehr solltest du diesen Prozess als Teil deiner Praxis verstehen und akzeptieren, dass er womöglich sogar zu einer ständigen Veränderung führen wird. Wir sind nie „fertig“ mit unserer Entwicklung, sondern haben ein unendliches Potential, das wir ausschöpfen können.

Natürliche Bewegung als Abenteuer

Für manch einen ist die Entwicklung einer individuellen Bewegungspraxis ein selektiver Prozess, für andere ist es wie eine Revolution, ein Dogmenwechsel. Als hätten sie nur eine Erlaubnis gebraucht, die Dinge anders anzugehen. Egal wie dein eigener Weg aussieht, solange du dabei Achtsam bleibst, reflektierst und nachhaltige Entscheidungen triffst, wirst du eine wunderbare Praxis entwickeln.

Natürliche Bewegung als Abenteuer

Eine radikalere Herangehensweise kann es daher sein, mal etwas völlig Neues auszuprobieren, aus alten Mustern auszubrechen und sich inspirieren zu lassen. Schau dich um und erweitere deinen Horizont. Heutzutage ist es einfach, einen umfassenden Einblick in viele Bewegungsformen und Disziplinen zu bekommen, ohne dafür große Hürden oder Verpflichtungen einzugehen. Das Angebot an Freizeitsport und -Aktivitäten, die Möglichkeiten zum Ausprobieren sind heute so groß wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Um beispielsweise eine Kampfsportart zu lernen, musst du nicht in ein Kloster ziehen, du kannst es meist in einem Verein lernen. Um Klettern auszuprobieren brauchst du nicht in die Berge fahren (obwohl das natürlich noch viel schöner wäre), sondern kannst in eine Kletterhalle und einen Kurs belegen. Zu fast allen Bewegungs- und Trainingsformen, die man sich vorstellen kann, gibt es heutzutage Bücher, Videos und Online-Kurse (kleine Anmerkung: Ich habe auch ein paar Online-Kurse für dich im Angebot).

Das was wir ästhetisch und beeindruckend finden, was uns anspricht und was mit uns resoniert, kann für uns ein Indikator dafür sein, was lohnende Zielsetzungen sind. Für mich war immer ein gutes Zeichen: Wenn ich etwas Neues gefunden habe, das ich spannend fand, dann kreisten für eine Weile meine Gedanken immer wieder darum. Ich fantasierte und sah mich in Gedanken immer wieder in Situationen die ich gerade erlebt hatte oder projizierte auf mögliche nächste Schritte. Wie würde es sich wohl anfühlen so rumzuspringen? Wie würde die Welt aus der Sicht aussehen?

Dabei solltest du neben reinen äußerlichen Eigenarten der Bewegungen oder Skills („Ich würde gerne einen Handstand/Salto/Kniebeuge können“) auch die Qualität mit beachten. Vielleicht sind es nicht klar definierbare oder messbare Attribute die du für dich als positiv bewertest, sondern abstraktere Maßstäbe. Vielleicht beeindrucken dich Freiheit, Energie, Kontrolle, Leichtigkeit, Ausdruck und Lebendigkeit mehr als jeder Begriff, den man in einem Trainingsplan festhalten könnte. Diese Qualitäten können dann in unterschiedlichsten Formen in vielen Bewegungsformen Ausdruck finden. Wo findest du sie am ehesten?

Sich dabei externen Einflüssen zu stellen bedeutet aber nicht, dass wir den Prozess des Reflektierens nicht anwenden sollten. Im Gegenteil, sobald wir uns mit Ideen von jemand anderem beschäftigen, sollten wir die Reflektion erweitern und Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit uns und unseren Begebenheiten feststellen. Diese Differenzierung kann dabei helfen individuelle Stärken und Schwächen festzustellen und unsere Fähigkeiten objektiv zu bewerten.

Manage deine Erwartungen

So ein Neuanfang ist immer eine Gelegenheit, die alten Werte in Frage zu stellen und sich neue zu erwählen ohne dass sie in Stein gemeißelt sein müssen. Gib dir selber die Freiheit, dich weiter zu verändern. Aber manage auch deine Erwartungen!

Damit meine ich: Dir sollte klar sein, dass Empfindungen wie Motivation und Begeisterung nicht der einzige wertvolle Maßstab zur Bewertung einer neuen Praxis sind. Dinge die dich schnell packen und begeistern können schnell ihren Reiz verlieren und Dinge die sich dir nicht gleich erschließen können trotzdem (oder gerade deswegen) einen Wert für dich haben, der sich erst nach einiger Zeit erschließt.

Ich empfehle daher auch hier in sich zu gehen und individuell zu entscheiden, ob es Wert ist den Prozess zu erfahren mit all seinen Widerständen, oder ob es an der Zeit ist, etwas zu verändern. Ich mache das gerne von meiner Befindlichkeit, meinem Zustand abhängig. In Momenten in denen ich mich kraftvoll fühle, stelle ich mich gerne Widerständen, in Momenten der Schwäche suche ich eher Halt in Bekanntem und Angenehmen. Der Prozess ist also auch eine Gelegenheit dich selbst besser kennenzulernen und dich selbst zu versorgen. Deine Bedürfnisse zu erkennen und auszuprobieren, wie du sie erfüllst.

Die Antwort auf deine Bedürfnisse beinhaltet also nicht nur ein „was„, sondern auch ein „wann„. Etwas, das dir in einem Moment noch gut tut, kann im nächsten überfordernd sein. Das bedeutet nicht, dass die Verbindung zu einer Sache verloren geht, sondern, dass es einen richtigen Zeitpunkt für alles gibt. Betrachte deine Praxis daher auch im Wandel über Tage, Wochen, Monate und Jahre.

Zusammenfassung

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig von der Idee der Natürlichen Bewegung deutlich machen und die Frage beantworten, wie du dich natürlicher bewegst. Im Mittelpunkt stehst du. Als Mensch. Als Individuum. Mit all deinen Eigenarten und Erscheinungen. Und das ist gut so! Alles was ich dir bieten kann sind Angebote, Wissen und Erfahrungen. Wie du diese einsetzt, welche du behältst und welche du liegen lässt, hängt ganz von dir ab. Und ich glaube fest daran: Dadurch, dass wir so einen Prozess selbst durchmachen, werden wir stärker, Selbstbewusster und zufriedener!

Wenn du nach konkreten Empfehlungen für Bewegungsformen suchst, bist du in meinem nächsten Artikel richtig! Den Link findest du nach Veröffentlichung hier oder über meinen Newsletter.

Viel Erfolg auf deinem Weg!

Dein Norwin

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