Achtung da draußen, das wird lang und das Thema ist gar nicht mal so angenehm. Aber ich glaube, dass es wichtig ist. Vielleicht bist du ja auch gerade in einer Verletzung oder Krise und mit den gleichen Problemen beschäftigt wie ich es bin/war. Dann sei dir zunächst gesagt: Ich fühle dich! Ich fühle das Leid und die Schwere, die das Leben so mit sich bringen kann. Wenn du eines mitnimmst, dann hoffe ich, dass es das ist: Das Leben ist schön (auch wenn es manchmal schwer zu glauben ist) und auch für dich lohnt es sich, dran zu bleiben. Du bist nicht alleine!

Los geht`s!

Ein Jahr ist es nun her, dass es los ging mit meinem Bandscheibenvorfall oder Rückenschmerzen, oder wie auch immer man diese Ansammlung von unangenehmen Empfindungen nennen könnte, die für eine ganze Weile mein Leben bestimmt haben. Oder anders gesagt: Ich war in einer Krise! Und vielleicht warst du das ja auch schon einmal. Warst verletzt, oder wurdest auf andere Weise vom Leben “auf die Probe gestellt”. Ich möchte dir an dieser Stelle nicht sagen “alles wird wieder gut” (das wäre unangebracht) und auch keine leeren Phrasen dreschen um dich wieder aufzubauen und erst Recht kann ich dir kein Allheilmittel anbieten, aber vielleicht ziehst du ein wenig Inspiration aus der Geschichte über die schwerste Zeit meines Lebens und erkennst irgendwann auch wie ich – Jede Erfahrung ist wertvoll und wir können auch für die schweren Zeiten dankbar sein.

Zu Beginn habe ich meinen Bandscheibenvorfall noch für eine gezerrte Hüfte gehalten. Ich hatte ein paar Wochen intensiv trainiert, viel gebouldert und Akrobatik gemacht und mich richtig lebendig gefühlt. Die leichten Schmerzen in der Hüfte und im Bein habe ich zwar ernst genommen, aber erstmal weiter gemacht. Ein bisschen Entlastung und ein paar mobilisierende Übungen, die ich für passend gehalten habe. So langsam wurden die Schmerzen aber immer mehr und in einer Nacht kurz vor Weihnachten dachte ich dann tatsächlich ich sterbe. Nervenschmerzen sind so richtig fies! Mit Mühe konnte ich mich regulieren und bin irgendwann trotz Tränen eingeschlafen (wahrscheinlich war das mehr Ohnmacht als Schlaf).

Was bringt es, die Ursache des Leidens zu erkennen?

Meine Erste Beobachtung: Manchmal gibt es keinen direkten Auslöser für die Krise. Wir suchen danach, um mit dem Finger drauf zeigen zu können. “Daran liegt es!”. Die Frage, die daraus folgt ist, ob uns das überhaupt hilft? Jedes Mal, wen ich verletzt war, habe ich damit eigentlich nur gehadert. Hätte ich doch nicht den einen Sprung gemacht. Wäre ich doch zuhause geblieben. Hätte, hätte, Fahrradkette. Interessant, dass mir jetzt etwas passiert, das ich keiner einzelnen Handlung zuordnen kann. Mein Kopf hat es trotzdem versucht. Aber ich habe erkannt: Es ist müßig darüber nachzudenken. Natürlich könnten wir eine Lehre daraus ziehen und unser zukünftiges Handeln reflektieren. Tue ich wirklich, was mir gerade wichtig ist? Wenn du die Frage mit JA beantworten kannst, dann hadere hinterher nicht damit, sondern lerne, damit umzugehen, was jetzt da ist. Sonst wird dein Leben geprägt von Angst und Selbstgeißelung.

Die folgende Zeit war hart. Monatelang habe ich mehr in der Horizontalen verbracht, als aufrecht. Selbst im Liegen waren meine Schmerzen unerträglich, aber was sollte ich machen? Natürlich habe ich es auch mit dem zermürbenden Gesundheitssystem probiert, mich zu Ärzten, Physios, MRT gequält. Lustiger Nebeneffekt: Ich habe gelernt, einen Scheiss darauf zu geben, was andere denken. Wenn ich liegen muss, dann lege ich mich hin. Im Krankenhausflur, im Wartezimmer, bei Freunden. Mehr als einmal wurde ich dafür angegangen. Als ob ich das zum Spaß mache. 

Daraus habe ich etwas über Mitgefühl gelernt: Prüfe deine Annahmen darüber, warum jemand etwas tut. Vielleicht kann er/sie nicht anders. Vielleicht ist es sogar ein Ausdruck der Verzweiflung oder ein Ruf nach Verbindung. Ich habe mir selbst vorgenommen in solchen Momenten liebevoll zu denken. Wir alle tun, was wir für richtig halten:

Ich hatte also alles durch: Allerlei Behandlungen, Medikamente, experimentelle Verfahren… Nach langer Wartezeit hatte ich dann irgendwann auch eine Diagnose nach einem MRT. Ein Bandscheibenvorfall im untersten Lendenwirbel, der den Nerv einklemmt. Was für mich folgte, war ein wildes Durcheinander von Meinungen, die ich von Ärzten und Physios, aber auch von anderen Betroffenen und Quellen gesammelt habe. 

“Auf jeden Fall OP!” meinte jemand, der genau das gleiche hatte und am nächsten Tag wieder laufen konnte.

“Bloß keine OP!” sagte jemand anderes, dessen Bandscheibe vernarbt ist und jetzt mehr Schmerzen hat.

“Geh zu diesem Osteopathen, der hat mir genau dabei geholfen” (hat mich 3 Monate zurück geworfen)

“Trink täglich Knoblauchwasser und vertrau dem großen Spirit” sagte ein Pache der Yawanawa

Aus diesem Dschungel aus widersprüchlichen Informationen kam für mich die nächste Erkenntnis: Wir projizieren unsere Hoffnung auf unser Tun und beladen es dadurch mit Erwartungen. Wenn es nicht die erhoffte Erleichterung bringt bleibt Verzweiflung, Wut und Angst, Die richten wir dann gegen jemanden. Der blöde Arzt, der mir das empfohlen hat. Mich selbst, weil ich es noch nicht verstanden habe. Meine Mitmenschen, weil die sowieso nicht verstehen, wie sehr ich leide. 

Der Weg raus ist tiefer rein

Neben diesem (ich nenne es mal) praktischen und konstruktiven Umgang gab es parallel eine Herangehensweise, die mir tatsächlich mehr geholfen hat und an der ich wachsen konnte: Meine innere Einstellung. Die Art und Weise, wie ich über “das Problem” denke und wie ich in Folge dessen mit mir und meinen Gefühlen umgehe. In mir habe ich Antworten gefunden, die mir im Außen niemand geben konnte. Und wenn ich sie dir jetzt sage, klingt das vielleicht nach Hohn und hohlen Worten. Ich erwarte nicht, dass du zu den gleichen Antworten kommst, aber woran ich glaube: Der Weg daraus ist tiefer rein. Nicht die Augen zu verschließen, sich zu betäuben und das Problem wegdrücken zu wollen, sondern zu lernen, damit zu sein.

Zwei wichtige Werte, die für mich daraus erwachsen sind, sind Akzeptanz und Gleichmut. Das tiefe Vertrauen da rein, dass alles, was mir das Leben bringt, wertvoll für mich ist. Und ich heiße es willkommen. Gefühle wie Schmerz und Kummer als etwas pauschal schlechtes abzustempeln und “nicht haben zu wollen” beschneidet jegliche Lehre, die wir daraus ziehen können. Dann beginnen wir damit zu hadern und zu verhandeln, fast schon wie die Phasen der Trauer. Und an deren Ende steht die Akzeptanz: Wir können nicht anders, als unsere Situation anzunehmen. Dann entspannt sich alles, die Gefühle fließen durch uns durch und es kommt zum Vorschein, was tief in uns schlummert: Urvertrauen in das Leben. 

Der Mut, auf das Leben zuzugehen

Ein für mich bedeutsamer Aspekt von Gleichmut ist der Mut. Wenn ich den Begriff nutze, wird mir manchmal vorgeworfen “mir sei alles egal” oder ich wäre “abgestumpft”, weil ich mich gegen meinen Schmerz nicht wehre. Das ist nicht so. Mut bedeutet für mich auf alles zuzugehen, was das Leben zu bieten hat. Auf das “Gute” und das “Schlechte”. Wenn ich im Vertrauen bin, dann verfallen solche Wertungen.

Versteh mich nicht falsch: Auch ich bin ein Mensch und verfalle ins Leiden. Habe schlaflose Nächte in Schmerz verbracht, bin wütend geworden und habe mit dem Schicksal gehadert. Und es passiert mir immer noch. Aber am Ende komme ich immer wieder zu dieser Antwort. Es passiert mir übrigens immer wieder, das ich “abrutsche”, wieder in Zweifel verfalle und der ganze Spaß gefühlt von vorne losgeht. Dann darf ich mich daran erinnern, was mir geholfen hat und auf was ich vertraue und fange mich schnell wieder. Das ist ein weiteres, wunderbares Learning für mich: Eine Antwort gefunden zu haben, heißt nicht, dass man nicht mehr zweifelt. Weil ich “die richtige” Antwort gefunden habe, heißt das nicht, dass mein Leid sofort aufhört.

Die Wahrheit ist, du kannst alles richtig machen und trotzdem mit solchen oder anderen Problemen zu kämpfen haben. Sich aus Angst vor allem wappnen und vor allem schützen zu wollen, lässt dir keine Möglichkeiten mehr. Meine Erkenntnis: Eine richtige Balance finden zwischen achtsamen Handlungen und Vertrauen darin, dass das, was sich für mich richtig anfühlt, auch wert ist, gelebt zu werden. Das ganze verfeinert mit ehrlicher Reflektion und dem richtigen Reagieren. Dadurch wird der ganze Prozess zur Praxis. Dass mal Wiederstände, Probleme oder Krisen auftreten ist nicht länger mehr ein Problem, sondern eine Gelegenheit zu lernen und daran zu wachsen. 

Eine Einladung an dich

Je länger ich an diesem Text sitze, desto mehr merke ich, was ich alles Wertvolles gelernt habe aus dieser Erfahrung. Dafür bin ich jetzt nochmal mehr dankbar, das war mir nicht bewusst. Und dir möchte ich danken für deine Aufmerksamkeit. Ich hoffe von Herzen, dass auch du an deinem Leid wachsen wirst.

Welche Lehre ziehst du aus deiner Krise?

Um dir damit zu helfen und weil du es bis hierher geschafft hast, folgendes Angebot: Melde dich bei mir, wenn du das Gefühl hast mein Ansatz von Bewegung und Körperlichkeit könnte dir helfen und wir besprechen (per Nachricht oder per Video) deine nächsten Schritte auf deinem Heilungsweg!

Alles Liebe
Dein Norwin

Ausblick

Hier ein paar unsortierte Take-Aways

Nimm dir doch nochmal ein wenig Zeit um darüber zu sinnieren. Was hast du zu verlieren?

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